Die Beweisführung muss sich  nicht immer direkt auf den zu beweisenden Umstand beziehen, sondern kann auch indirekt  (mittelbar)  erfolgen, in dem andere Tatsachen bewiesen werden, die Rückschlüssen erlauben. Mittel der indirekten Beweisführung sind der Indizienbeweis und der Anscheinsbeweis

Indizienbeweis : Indizienbeweis ist wie der Anscheinsbeweis ein mittelbarer Beweis. Hier wird aus einer mittelbar bedeutsamen auf eine andere, für die Entscheidung erhebliche Tatsache geschlossen.  Statt die („klassischen“) Beweismittel (Zeugen, Sachverständige, Urkunden..)  zur Überzeugungsbildung einzusetzen, soll eine bestimmte Tatsache   die  Überzeugung bewirken.

Beispiel: strafrechtlich: Fingerabdrücke auf der Tatwaffe; beweisen unmittelbar, dass eine bestimmte Person die Waffe in der Hand hatte; mittelbar ist der Rückschluss möglich, dass dieses der Täter war.; Nachweis der gymnasialen Schulausbildung kann nicht erbracht werden; der Abschluss eines Hochschulstudiums ist allerdings durch Urkunden belegbar. Der Umstand des erfolgreichen Hochschulabschlusses lässt den Rückschluss zu, dass vorher auch erfolgreich die Zugangsberechtigung zur Schule erworben wurde; soweit es im übrigen zur Biografie des Versicherten passt, kann die gymnasiale Schulausbildung damit als bewiesen angenommen werden.

Anscheinsbeweis: Die Überzeugungsbildung von einem bestimmten Geschehensablauf wird unter Berücksichtigung von  Erfahrungssätzen (Lebenserfahrung) erreicht. Erfahrungssätze sind Regeln, in denen die Summe der Ergebnisse gezogen ist, die bei der Beobachtung typischer Geschehensabläufe immer wieder festgestellt worden sind. Der Anscheinsbeweis soll die Brücke zwischen dem bloß Möglichen und dem Notwendigen schlagen, indem er ein zur Überzeugungsbildung hinreichendes Maß an Wahrscheinlichkeit vermittelt: mehr als eine Möglichkeit - weniger als Notwendigkeit. Die breiteste Anwendung findet der Anscheinsbeweis hinsichtlich des Kausalzusammenhanges und der Fahrlässigkeit.

Beispiel: In einem Beratungsgespräch wird (fehlerhaft) nicht auf eine Antragsfrist hingewiesen; ein entsprechender Antrag wird nicht rechtzeitig gestellt. Dem Anschein nach kann davon ausgegangen werden, dass der Beratungsfehler auch ursächlich für eine Fristversäumnis ist.