Kapitel 2.1.  Begriff der öffentlichen Verwaltung

 

Weder im Gesetz noch in der Rechtsprechung oder in der Literatur gibt es eine exakte Definition des Begriffs, da die Aufgaben der Verwaltung zu vielgestaltig sind.

 

 

 

1.            Negativbestimmung

Öffentliche Verwaltung ist ein Teil der Staatstätigkeit. Eine Bestimmung kann dadurch versucht werden, dass man diese Tätigkeit zu übrigen Formen der Staatstätigkeit abgrenzt.

Diese Substraktionsdefinition von Jellinek *[1] orientiert sich an Art. 1 Abs.3 GG, in dem die öffentliche Verwaltung von der Rechtsprechung und der Gesetzgebung abgegrenzt wird.

 

Art. 1 Abs. 3GG  „ Die nachfolgenden Grundrechte  binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt  und Rechtsprechung als  unmittelbar geltendes Recht „

Gesetzgebung / Legislative: Erlass abstrakt genereller Normen nach politischer Willensbildung und Entscheidung.

 

Rechtsprechung / Judikative:  Erlass von Entscheidungen unter Anwendung des Rechts durch unbeteiligte (sachlich und persönlich Art. 97 GG) Organe.


 

 

   Abgerundetes Rechteck: Legislative

 

Inhaltlich eine Form politischer Willensbildung und -entscheidung durch vom Volk gewählte Organe.

Organisatorisch grundsätzlich im formellen Gesetzgebungsverfahren erlassen

Kein Gestegebungsmonopol des Parlaments

 

 

Abgerundetes Rechteck: Judikative

 

Entscheidung unter Anwendung des Rechts

Wesen der Rechtsprechung liegt in ihrer Unabhängigkeit Art.97 GG

Monopol des Staates auf die rechtsprechende Gewalt.

 

 

 

 

 


 

                              

 

Textfeld: Regierung ist eine staatsleitende, eine richtungsgebende und eine politische Tätigkeit; es ist damit schöpferisches Handeln. Verwaltung  beschränkt sich dagegen auf ausführende Tätigkeit. 
 
Abgerundetes Rechteck: Regierungsinitiativgewalt
Abgerundetes Rechteck: Verwaltungsvollzugsgewalt

 

 

 

 



 

Diese Art der Bestimmung stellt eher eine Beschreibung, als eine Definition dar.

Fragwürdig wird diese Eingrenzung dadurch, dass das Gewaltenteilungsprinzip bereits zu viele Durchbrechungen erfahren hat.

 

 

1.1.     Durchbrechungen durch die Exekutive

 a) Erlass von Rechtsverordnungen - Art.80 GG

 b) Ahndung von Ordnungswidrigkeiten

1.2.         Durchbrechungen durch die Legislative

a) Recht zur Einsetzung parlamentarischer Untersuchungsausschüsse

b) Petitionsausschuss - Maßnahmegesetze

1.3.         Durchbrechungen durch die Judikative

a) Rechtsfortbildung durch Urteile

b) Aufgaben der Justizverwaltung im Bereich der freiwilligen Gerichtsbarkeit

Verfassungsrechtlich zulässig sind diese Durchbrechungen solange, als nicht eine Gewalt gegenüber einer anderen das Übergewicht erhält. Geschützt ist nur der jeweilige Kernbereich.

 

2.            Positivbeschreibung

Die Schwierigkeit der positiven  Begriffsbestimmung resultiert zunächst daher  dass öffentliche Verwaltung unter verschieden Aspekten gesehen werden kann. Dementsprechend wird der Begriff öffentliche Verwaltung in unterschiedlichen Zusammenhängen verwandt.

2.1.         Begriffseingrenzung

Will man öffentliche Verwaltung danach beschreiben was der Inhalt ihrer Tätigkeit ist, spricht von der öffentliche Verwaltung im materiellen Sinn Versuch der Beschreibung wurde bereits mit der Negativeingrenzung versucht. Positivbeschreibung folgt.

Ebenso wird von der öffentliche Verwaltung gesprochen, wenn nur die Einrichtungen, die die Verwaltungstätigkeit ausüben, gemeint sind. Hier wird die öffentliche Verwaltung  im organisatorischen Sinn gemeint.

Beispiel Gemeinde, Gewerbeaufsichtsamt, BfA , SFB,

Sollen  speziell die Tätigkeiten der öffentliche Verwaltung im organisatorischen Sinn erfaßt werden, ( unabhängig davon, welche Qualität diese Tätigkeiten haben, also ob sie  gesetzgebender, rechtsprechender,oder regierender Natur sind) wird der Begriff im formellen Sinn verwandt.

Beispiel Erlaß einer Rechtsverordnung durch den Bundesarbeitsminister; Übersendung eines Bußgeldbescheides.

2.2          Begriffsanalyse.   

2.2.1      Verwalten

Unter "verwalten" kann man  ordnen, verrichten, organisieren, beeinflussen verstehen

2.2.2.     Öffentlich

 

Beispiel:  Enteignung von mehreren Grundstücken „zugunsten“ einer Flughafenerweiterung

Die öffentliche Verwaltung hat sich mit den Angelegenheiten des Gemeinwesens und der Menschen im Gemeinwesen, also dem sozialen Zusammenleben  zu befassen.. Sie gestaltet das Umfeld der Gemeinschaft, plant und lenkt das öffentliche Leben. Sie regelt die Beziehungen der Menschen untereinander  mit dem Ziel des gerechten Ausgleichs zwischen Einzel- und Allgemeininteressen.

Öffentliche ist die Verwaltung dann, wenn sie sich mit sozialer Gestaltung befasst.

 

Zum Wohl der Allgemeinheit könne auch Private tätig werden, wie etwa das Rote Kreuz, private Krankenhäuser, ADAC, die aber übereinstimmend nicht zur öffentlichen Verwaltung gezählt werden. Um öffentliche Verwaltung handelt es demnach nur, wenn die Erfüllung öffentlicher Aufgaben auch durch einen Träger öffentlicher Gewalt ausgeübt wird, also durch Körperschaften ,Anstalten Stiftungen des öffentlichen Rechts.

2.3.     Begriffsdefinition

Öffentliche Verwaltung  ist

ein nach einer bestimmten Ordnung sich vollziehendes, planmäßiges Handeln

eines öffentliches Trägers

zur Erfüllung öffentlicher Aufgaben

 

oder

 

die Besorgung von Angelegenheiten im Interesse und zum Wohl der Allgemeinheit durch öffentliche Rechtsträger

 


 

][1  Erichsen /Martens  Allgemeines Verwaltungsrecht 8. Aufl. S. 3